Mittwoch, 28. September 2011

Querdenker nicht willkommen!


Wenn es darum geht, Innovation voranzutreiben, treten deutsche Unternehmen auf die Bremse. 70 Prozent aller Unternehmen kündigen Innovation zwar in ihren Hochglanzbroschüren an – konsequent umsetzen tun sie es aber nicht: Ideen werden totdiskutiert anstatt gefördert. Kreatives Denken ist unerwünscht, die Einhaltung von Regeln wird belohnt. Und statt Visionen mutig voranzutreiben, dominiert das Vollkasko-Denken: Fehler vermeiden um jeden Preis. „Die Ergebnisse sind äußerst ernüchternd“, sagt Studienleiter Jens-Uwe Meyer. „In ihrer Eigendarstellung sind heute fast alle Unternehmen Innovationstreiber, sie betonen, dass sie Neues offensiv angehen und Herkömmliches infrage stellen wollen. Doch in der Realität bremst sich die Mehrheit der Unternehmen selbst aus.“

Die Mehrheit deutscher Unternehmen ist innovationsfeindlich - Neue Studie gibt Einblicke in die Innovationskultur von 200 Unternehmen

Wenn es darum geht, Innovation voranzutreiben, treten deutsche Unternehmen auf die Bremse. 70 Prozent aller Unternehmen kündigen Innovation zwar in ihren Hochglanzbroschüren an – konsequent umsetzen tun sie es aber nicht: Ideen werden totdiskutiert anstatt gefördert. Kreatives Denken ist unerwünscht, die Einhaltung von Regeln wird belohnt. Und statt Visionen mutig voranzutreiben, dominiert das Vollkasko-Denken: Fehler vermeiden um jeden Preis. „Die Ergebnisse sind äußerst ernüchternd“, sagt Studienleiter Jens-Uwe Meyer. „In ihrer Eigendarstellung sind heute fast alle Unternehmen Innovationstreiber, sie betonen, dass sie Neues offensiv angehen und Herkömmliches infrage stellen wollen. Doch in der Realität bremst sich die Mehrheit der Unternehmen selbst aus.“

Mehr als 80 Prozent aller Unternehmen lähmen sich selbst durch lange Entscheidungswege, jeder dritte Befragte attestiert sogar, dass sich Entscheidungen über neue Ideen „ewig in die Länge“ ziehen würden. Nur jedes fünfte Unternehmen fördert aktiv Experimente, nur in jedem dritten Unternehmen ist kreatives Denken hoch angesehen und sogar nur jedes vierte würde einen Querdenker einstellen – die anderen bevorzugen konforme Mitarbeiter.

„Unternehmen wollen Innovation, aber sie senden die falschen Signale“, sagt Studienleiter Jens-Uwe Meyer, der vier Bücher zum Thema Innovation veröffentlicht hat. „Wer gute Ideen hat, entwickelt unweigerlich auch mal schlechte Ideen. Doch nur 12 Prozent aller Unternehmen akzeptieren das. Für kreative Mitarbeiter ist das extrem demotivierend.“

Wissenschaftliche Grundlage
Für die Studie „Erfolgsfaktor Innovationskultur – das Innovationsmanagement der Zukunft“ wurden knapp 200 Ideen- und Innovationsmanager, Verantwortliche aus den Bereichen Business Development und Produktentwicklung sowie zahlreiche Vorstände und Geschäftsführer deutscher Unternehmen befragt. Grundlage des Fragebogens war der Corporate Creativity Index. Das Analysemodell beruht auf dem KEYS-Modell von Harvard-Professorin Teresa Amabile, erweitert und ergänzt um Kriterien aus rund 50 internationalen Studien, die zwischen 1996 bis 2010 durchgeführt wurden. Mit Hilfe des Instruments lässt sich die Innovationskultur eines Unternehmens, einer Abteilung oder eines Teams bestimmen. Es misst die Ausrichtung eines Unternehmens, die sich durch strategische Ziele, gelebte Werte sowie die Strukturen zeigt, den Einfluss von Führungskräften auf den verschiedenen Managementebenen, die Zusammensetzung von Teams sowie das generelle Umfeld für Innovation. Das Analyseinstrument bringt versteckte Innovationshemmnisse im Unternehmen ans Licht.

Folgen für die Wirtschaft
„Was so schockierend ist: Deutsche Unternehmen unterdrücken genau die Methoden, mit denen andere ganze Märkte revolutioniert haben“, sagt Meyer. „Ob es Research in Motion ist, der Hersteller des Blackberry, Amazon oder Samsung – sie alle setzen auf Prinzipien, die den meisten der von uns befragten Unternehmen nach wie vor fremd sind: Schnell, wendig mit einem hohen Maß an Selbstverantwortung.“

Deutsche Unternehmen, die Ideen konsequent fördern, können große Sprünge machen. In der Studie wird unter anderem das Fallbeispiel der DHL Paketstationen vorgestellt, die von einem kleinen entschlossenen Team an den offiziellen Unternehmensstrukturen vorbei entwickelt wurden.

„Unternehmen sind heute Tanker: Langsam und behäbig,“ so Meyer. „Im internationalen Innovationswettbewerb werden sie damit auf Dauer unterliegen. Es ist kein Zufall, dass aus Deutschland heute keine Handys und keine Fernseher mehr kommen. Und dass Hertie pleite ist, während Amazon das Internet eroberte. Alle diese Firmen waren zwar innovativ, aber viel zu langsam.“

Dazu passt, dass nur jedes vierte Unternehmen überhaupt das Ziel hat, bahnbrechende neue Produkte zu entwickeln und diese als Pionier im Markt zu positionieren. Drei Viertel verstehen unter Innovation eher eine ständige Verbesserung des Bestehenden. Wenn wirklich radikale neue Ideen auftauchen, machen diese 70 Prozent aller Unternehmen eher Angst als Mut. Wirklich Neues ist mehrheitlich gar nicht gefragt.

Jens-Uwe Meyer

Erfolgsfaktor Innovationskultur

BusinessVillage Verlag 2011
ISBN: 9783869801452      297.00 €



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